Toll das ihr mal was Neues mit unseren Wildkräutern ausprobieren wollt! 

Manches ist euch sicher schon bekannt, aber es gibt noch soviel mehr das ausprobiert und "erfahren" werden will. Ich bin immer am suchen von spannenden Rezepten und Möglichkeiten die wunderbaren Geschenke der Natur zu nutzen. Nicht immer gelingt auf Anhieb alles, aber das gehört dazu ;-)
Wir legen los.... Wie im echten Leben erst mal mit der Theorie. Bitte beachtet die allgemeinen Sammeltipps bevor ihr anfangt Wildkräuter zu ernten. Die Natur und wir sollen ja schließlich Freude daran haben.

Fichtennadel Badesalz

Nach einem Spaziergang durch den winterlichen Wald tut ein warmes Fußbad gut. Und was wäre besser, als ein eigenes "Wald-Bade-Salz"?
Dafür braucht man nur 1 -2 EL frische Fichtennadeln (vom Zweig abgezupft) und 1 - 2 EL grobes Meersalz. Kurz gemixt und je nach Wunsch einen Teelöffel ins Fussbad geben. Das fördert die Durchblutung und sorgt für warme Füße.

Kerndl Tee - Ein feiner und milder Tee aus den Kernen der Hagebutten. 

Leider werden die Kerne der Hagebutte meistens weggeworfen, wenn man Marmelade oder Mus aus Hagebutten macht. Mein Tipp, die Kerne für ca. 10 Minuten leicht kochen lassen, zum Schluss können noch ein paar Apfelschalen dazu gegeben werden. Lasst euch von dem feinen und milden Geschmack überraschen!
Früher wurde dieser Tee übrigens bei Nieren- und Blasenproblemen getrunken.

Herbst und Winter

...ist Räucherzeit!
Egal ob auf dem Stövchen oder in der Räucherschale, getrocknete Kräuter oder Harze erfüllen mein Zuhause mit ihrem wunderbaren Duft. Sie vertreiben unangenehme Gerüche (ich sage nur Kohl!) genauso wie ungute Stimmungen. Am alltagstauglichsten finde ich das Räucherstövchen. Abends angezündet und ein paar getrocknete Kräuter aufgelegt, gehört es für mich unbedingt zur "dunklen Jahreszeit".

Sommerzeit ist die Zeit für das Johanniskraut!
Dieses magische Sommerkraut wurde früher für allerlei Wetterschutzzauber eingesetzt und darf auch heute in keinem Kräuterbuschen fehlen!
Am liebsten mache ich daraus das bekannte Johanniskraut- oder Rotöl.
Auf dem Bild ist es frisch angesetzt.
Nach einigen Wochen färbt es sich rot und kann z.B. bei Muskelbeschwerden eingesetzt werden. Achtung: Johanniskraut ist ein sehr starkes Kraut und sollte unbedingt mit Bedacht eingesetzt werden - gerade bei der Einnahme von Medikamenten. Sprechen Sie mit Ihrem/r Arzt/Ärztin darüber.

Frische Fichtenwipferl plus Butter ->
ergibt eine feine Waldbutter mit zitronigem Geschmack. (Fichtenwipferl mit der Butter mixen, nach Wunsch eine Prise Salz dazugeben.)
Die ganz frischen Austriebe der Fichte sind noch weich und schmecken sehr lecker. Man kann sie pur essen, als Waldbutter genießen oder für einen Tee trocknen. Bitte achtsam ernten!

Ein leuchtender Hingucker ist sie auf jeden Fall - die Löwenzahnblütenbutter.
Und schmecken tut sie natürlich auch!
Das Rezept dazu findet ihr ganz unten auf dieser Seite.
Ich habe die flüssige Butter in Eiswürfelformen gegeben, dadurch ist die Kugelform entstanden.

Im Frühling ist wieder Bärlauchzeit!
Bärlauchöl - ein würzig und gesundes Geschmackserlebnis!
Dafür benötigt man ca 100 g frischen Bärlauch und 1 Liter gutes Raps- oder Sonnenblumenöl.
Gut mixen - aber nicht zu lange, sonst wird das Öl bitter - und durch ein feines Sieb filtern. Das Öl macht sich sehr gut im Salatdressing und hält im Kühlschrank mehrere Wochen.

Rezept für klassische Kräutersuppe -

schnell und einfach!

Das sind die Zutaten für meine ganz einfache und schnelle Kräutersuppe. Je nach Geschmack und Jahreszeit kann man sie beliebig variieren. 

Die Zwiebel wir in Öl angedünstet, das kleingeschnittene Gemüse dazu gegeben und kurz mit gedünstet. Dann mit Brühe aufgießen und mit Salz und Pfeffer würzen. 

Wenn das Gemüse weich ist, die gewaschenen Kräuter dazugeben und noch ein paar Minuten ziehen lassen. Nicht mehr kochen!

Pürieren und abschmecken. Mit gehackten Kräutern (z.B. Schnittlauch) garnieren und genießen.

Oxymel - ein altes Hausmittel 

Oxy = sauer   mel = Honig  -> Oxymel = Sauerhonig
- reich an Antioxidantien
- unterstützt den Stoffwechsel
- schmeckt sehr erfrischend

Zutaten für ein Oxymel:
guter Apfelessig (wichtig: nicht pasteurisiert!)
guter Honig
frische Kräuter nach Wunsch

Ich habe Brennnessel gewählt um ein stoffwechselanregendes Oxymel zu machen.

3 Teile Honig und 1 Teil Essig in einem sauberen Schraubglas gut vermischen.

Kleingeschnittene Kräuter dazugeben, täglich schütteln und nach ca 4 Wochen abfiltern.
Davon gebe ich jeden Morgen nach dem Aufstehen 1 - 2 EL in ein Glas lauwarmes Wasser und trinke es um meinen Körper in Schwung zu bringen.

Kräuter-Dip

Hier sind der Fantasie und dem Geschmack kaum Grenzen gesetzt. Etwas Frischkäse, Schmand oder Quark mit frischen Kräutern, Salz, Pfeffer und Zitronensaft mischen. Manchmal gebe ich noch eine geriebene Karotte dazu und.... lasse es mir schmecken :-)
Die kleinen blauen Blüten auf dem Bild gehören dem persischen Ehrenpreis, der seit langem schon unsere Gärten erobert hat. Mir wurde als Kind erzählt das ist eine "Gewitterblume" die man nicht pflücken dürfe, sonst würde es regnen. Das musste ich natürlich ausprobieren. Tatsächlich hat es dann geregnet und ich war sehr beeindruckt. Zum Glück regnet es nicht jedesmal wenn man ihn pflückt und ich bin wieder mutig genug ihn regelmäßig zu ernten und damit meine Dips und Salate zu verzieren. Seinen einheimischen Bruder, den echten Ehrenpreis, verwendet man auch heute noch in der Volksheilkunde. 

Frühlingszeit ist Löwenzahn-Zeit!

Das ist eine meiner absoluten Lieblingspflanzen und ich freue mich jedesmal im Frühjahr auf die gelb leuchtenden Wiesen.
In meinem Garten darf er wachsen und das tut er auch! Damit es nicht zuviel des Guten wird, ernte ich die Blüten um daraus leckeres Löwenzahngelee zu machen.
Dafür werden 2 Handvoll Blüten gesammelt, ausgeschüttelt und kurz liegen gelassen, damit sich eventuelle Bewohner aus dem Staub machen können.
Dann erhitzt man in einem Topf 1 Liter Wasser oder Apfelsaft, gibt die Blüten dazu und lässt es einmal aufwallen.
Am besten ist es das Ganze zugedeckt eine Nacht stehen zu lassen um den vollen, sonnigen Geschmack zu erhalten. Am nächsten Tag noch einmal erhitzen, durch ein feines Tuch filtern und den so erhaltenen Saft mit der entsprechenden Menge Gelierzucker (steht auf der Packung) zu Gelee verarbeiten, lecker!

Gänseblümchen Sirup

Aus einer Handvoll liebevoll gepflückter Gänseblümchenblüten und 1/2 Liter Wasser wird ein starker Tee/ Absud gekocht. Diesen lässt man - mitsamt den Blüten - eine Nacht zugedeckt stehen. Am nächsten Tag nochmal kurz erhitzen, durch ein sauberes Tuch filtern und mit ca 200 g weißem oder Rohrzucker bei mittlerer Temperatur eindicken lassen.
Dieser Sirup unterstützt sanft bei leichten Erkältungskrankheiten und Husten. (Achtung: Korbblütler/ Allergiker)  
Im Kühlschrank hält er sich mehrere Monate.

Schönheit ganz natürlich

Der Wassertropfen in der Mitte des Frauenmantelblattes wurde seit alters her von kundigen Frauen als pflegendes Hautwässerchen verwendet. Genau genommen handelt es sich hier nicht um einen Tautropfen, sondern um einen sogenannten Guttationstropfen. Sozusagen ein Wasser welches aktiv von der Pflanze abgegeben wird. Die Alchemisten verwendeten dieses besondere Wasser für allerlei "Zaubereien", wie den sagenumwobenen Stein der Weisen.
Findet man so einen besonderen Wassertropfen, kann man ihn vorsichtig mit den Fingerspitzen "ernten" und damit das Gesicht oder die Hände bestreichen. Das fühlt sich wunderbar an :-)

Kräutersalz aus Blüten - Sommergenuss für das ganze Jahr

Das Kräutersalz kann natürlich mit sämtlichen frischen Kräutern gemacht werden. Das Sommer-Blütensalz ist allerdings ein echter farblicher Hingucker!
Ein tolles Mitbringsel und ein Farbtupfer auf dem Frühstücksei, im Kräuterquark oder einfach auf Gurkenscheibchen.


Frische Blüten sammeln und  kurze Zeit liegen lassen, damit evt. kleine Bewohner Gelegenheit haben "auszuziehen". Bei mir waren es  Kapuzinerkresse-, Ringelblumen-, Borretsch-, Kornblumen-, Braunellen- und Johanniskrautblüten.

Blüten mit gutem Salz (ich habe ein grobes Meersalz verwendet) in den Mörser geben.

Mit dem Mörser und vielen guten Gedanken bearbeiten und staunen, welche Farbe dann herauskommt.

Das Salz ist noch sehr feucht und sollte getrocknet werden. Dabei bilden sich oft Klumpen, keine Sorge das ist normal. Deshalb wird es, nach ca 1 - 3 Tagen, noch einmal fein gemörsert und in dichte Gläschen abgefüllt.

Gänseblümchen-Salbe → hilft bei Wunden, Schnitten, blauen Flecken und trockener Haut


Zutaten:
100 ml Gänseblümchen-Öl
5 g Bienenwachs
10 g Lanolin (Wollwachs) 

Herstellung des Gänseblümchen-Öls

Gänseblümchen-Blüten sammeln und für eine Weile im Schatten liegen lassen. Dann können kleine Bewohner, die vielleicht noch darin wohnen, sich ein neues Zuhause suchen.
In ein Glas geben und mit gutem Öl (z.B. Olivenöl, Rapsöl, Mandel- oder Distelöl) aufgießen. Alle Pflanzenteile müssen bedeckt sein.
Das Glas in ein Wasserbad stellen und vorsichtig erhitzen. Immer wieder mit einem Holzlöffel umrühren. Dabei kann man ein paar Heilsprüche murmeln und gute Gedanken mit in das Öl rühren. (z.B. Heile heile Segen, drei Tage Regen, drei Tage Sonnenschein, dann ist alles wieder heil.)
Danach wir das Öl durch ein sauberes Tuch gegossen und ist fertig.

Fertigstellung der Salbe
Nun wird das Gänseblümchen-Öl mit dem Bienenwachs und dem Lanolin in einem Topf erwärmt, bis alles flüssig ist. Dann wird die Salbe vorsichtig in ein vorbereitetes und sehr sauberes Gläschen gefüllt und stehen gelassen, bis sie fest ist. Kühl und dunkel gelagert hält sich die Salbe mehrere Monate und ist ein prima Hilfsmittel für kleinere Verletzungen und trockener Haut.


Löwenzahnblüten-Butter

Dafür werden ca 2 Handvoll frische, ungewaschene Blüten mit 250 g geschmolzener Butter in einem Topf vermischt. Man lässt das Ganze einmal kurz aufwallen und rührt gut um. Dann wird der Topf über Nacht stehen gelassen, am besten im Kühlschrank. Am nächsten Tag erhitzt man die Butter mit den Blüten noch einmal und siebt sie durch ein feines Tuch. Die flüssige und goldgelbe Blütenbutter kann man nun in die gewünschte Form, z.B. Silikonförmchen oder einfach in eine Schüssel geben und auskühlen lassen.

Macht sich toll als Deko bei einem Buffet, oder auch einfach nur zur Brotzeit.


Brennnessel-Chips


Dafür benötigt man:
frische Brennnesselblätter (am besten junge Triebe oder Spitzen)
Öl zum braten (Sonnenblumen oder Rapsöl)
eine Pfanne
einen Bratwender
Küchenpapier zum abtropfen

Die frischen (sauberen Blätter, nicht gewaschen) werden in die Pfanne mit dem erhitzten Öl gegeben und vorsichtig gebraten. Das geht sehr schnell. 
Danach läßt man sie kurz auf dem Küchenpapier abtropfen und genießt dann die knusprig gesunden Chips. Wer mag kann vorher noch etwas Salz über die Chips geben.
Man kann die Brennnesselblätter auch in etwas Öl tunken, vorsichtig nebeneinander auf ein Backblech legen und dort kurz knusprig backen.